Ausverkaufte Tickets bekommen — die legalen Wege.
Ausverkauft bedeutet selten, dass es keine Plätze mehr gibt. Es bedeutet, dass die offenen Verkaufswege geschlossen sind. Dieser Text erklärt, welche Wege danach noch existieren, welche davon seriös sind und woran Sie die anderen erkennen.
Warum Veranstaltungen ausverkauft sind, bevor der Verkauf richtig beginnt
Wer beim regulären Verkaufsstart pünktlich vor dem Bildschirm sitzt und trotzdem leer ausgeht, hat meist nichts falsch gemacht. Der freie Verkauf ist bei großen Konzerten, Endspielen und Festivals nur ein Ausschnitt des Gesamtbestands. Ein erheblicher Teil der Plätze ist längst vergeben, bevor die erste öffentliche Bestellung möglich ist.
Verantwortlich dafür sind zunächst die Kontingente. Veranstalter reservieren Blöcke für Abonnenten, Vereinsmitglieder, Dauerkartenbesitzer, Sponsoren, Partner, Künstler und deren Umfeld, Presse, Reiseveranstalter und Hospitality-Vermarkter. Bei internationalen Sportereignissen kommen Verbandskontingente, Gastvereine und Reisepakete hinzu. Was danach in den öffentlichen Verkauf geht, ist der Rest — bei stark nachgefragten Terminen oft ein kleiner Teil der Halle.
Hinzu kommen die gestaffelten Vorverkaufsphasen. Fanclub-Presale, Kreditkarten-Presale, Newsletter-Vorverkauf, Vorverkauf der Ticketplattform, Vorverkauf des Veranstaltungsortes: Jede dieser Phasen greift auf denselben Bestand zu. Wenn der allgemeine Verkauf startet, sind mitunter mehrere Runden bereits gelaufen. Für Sie sieht es so aus, als sei die Veranstaltung binnen Minuten ausverkauft gewesen; tatsächlich war sie es in weiten Teilen schon vorher.
Der dritte Faktor sind automatisierte Käufe. Software, die Warteschlangen, Warenkörbe und Zahlungsprozesse schneller durchläuft, als ein Mensch es kann, bindet Kontingente in Sekunden. In einigen Ländern ist der Einsatz solcher Programme ausdrücklich untersagt; in Deutschland fehlt eine vergleichbare Spezialregelung, und Veranstalter wehren sich vor allem über ihre Geschäftsbedingungen, über Personalisierung und über technische Maßnahmen. Für den Käufer ändert das am Ergebnis wenig: Der Bestand ist weg, und ein Teil davon taucht wenig später zu anderen Preisen wieder auf.
Die legalen Wege im Detail
Nach dem Ausverkauf bleiben mehrere Kanäle offen, die sich in einem Punkt unterscheiden: Sie führen zu Tickets, deren Herkunft nachvollziehbar ist und deren Gültigkeit am Einlass nicht von Kulanz abhängt.
Offizielle Wiederverkaufsplattformen der Veranstalter. Viele Ticketanbieter und Vereine betreiben eigene Zweitmarktbörsen. Der ursprüngliche Käufer stellt sein Ticket dort ein, das alte Ticket wird entwertet und für den neuen Käufer neu ausgestellt. Das ist der sauberste Weg überhaupt: Der Einlass ist gesichert, der Name wird korrekt übertragen, und der Preis ist häufig auf den ursprünglichen Kaufpreis oder einen begrenzten Aufschlag gedeckelt. Der Nachteil ist, dass das Angebot schwankt und gute Plätze nur kurz sichtbar sind. Wer regelmäßig hineinschaut, hat einen realen Vorteil gegenüber jemandem, der einmal pro Woche sucht.
Hospitality- und VIP-Pakete. Diese Plätze werden getrennt vom normalen Ticketing vermarktet, oft über den Veranstalter selbst oder über lizenzierte Agenturen. Deshalb sind sie regelmäßig noch verfügbar, wenn der reguläre Verkauf längst beendet ist. Enthalten sind je nach Programm ein Sitzplatz in einem definierten Bereich, Zugang zu einer Lounge, Bewirtung vor und nach der Veranstaltung, teilweise Parkplatz und ein eigener Eingang. Bei Sportereignissen sind solche Pakete häufig der einzige Weg, der Wochen vor dem Termin überhaupt noch zu einem garantierten Platz führt.
Sponsorenkontingente. Sponsoren, Ausrüster und Medienpartner erhalten vertraglich feste Kontingente, die sie nicht immer ausschöpfen. Nicht abgerufene Plätze gehen an den Rechteinhaber oder Vermarkter zurück und werden von dort neu verteilt, meist erst in den letzten Wochen vor dem Termin. Dieser Weg ist nicht öffentlich ausgeschrieben, aber er ist legal und alltäglich.
Debentures bei Wimbledon. Ein Sonderfall mit langer Tradition: Wimbledon finanziert Baumaßnahmen unter anderem über sogenannte Debentures, verzinsliche Schuldverschreibungen, die über mehrere Jahre laufen und ihren Inhabern für jeden Turniertag einen Sitzplatz auf dem Centre Court beziehungsweise dem No. 1 Court sichern. Diese Tickets sind die einzigen des Turniers, die ihre Inhaber offiziell weitergeben oder verkaufen dürfen. Wer über einen etablierten Debenture-Händler kauft, bewegt sich damit im legitimen Rahmen — anders als bei den übrigen Wimbledon-Tickets, die aus der öffentlichen Verlosung stammen und nicht übertragbar sind. Vergleichbare Modelle gibt es in anderer Form bei Logen und Sitzplatzlizenzen in großen Arenen.
Rückläufer kurz vor dem Termin. In den letzten Tagen vor einer Veranstaltung wird der Bestand noch einmal beweglich. Reiseveranstalter geben ungenutzte Pakete zurück, Presseplätze werden nicht abgerufen, Teams und Produktionen melden ihren tatsächlichen Bedarf. Dazu kommen die Plätze, die bis zum Aufbau der Bühne gesperrt waren: Erst wenn Licht, Ton und Video stehen, lässt sich beurteilen, welche Sitze wirklich Sichtbehinderung haben — der Rest wird freigegeben. Diese Rückläufer erscheinen ohne Ankündigung und sind oft innerhalb von Minuten wieder vergeben.
Hospitality und VIP: was Sie wirklich bekommen
Der Begriff VIP ist nicht geschützt. Er kann eine Loge mit eigenem Service bedeuten oder einen ganz normalen Sitzplatz, zu dem ein Getränk gereicht wird. Bevor Sie ein solches Paket buchen, sollten Sie drei Dinge schriftlich haben: die genaue Lage des Platzes, idealerweise mit Blockangabe; die einzelnen Leistungen mit Zeitfenster, also ab wann die Lounge geöffnet ist und was die Bewirtung umfasst; und den Namen der Stelle, die das Paket ausstellt. Ein Anbieter, der auf diese drei Fragen keine klare Antwort gibt, verkauft Ihnen ein Versprechen und kein Produkt.
Sinnvoll ist außerdem die Frage nach dem Verhalten bei Terminverlegung. Gerade im Sport werden Anstoßzeiten für die Fernsehvermarktung verschoben, teils erst wenige Wochen vorher. Seriöse Hospitality-Programme regeln das ausdrücklich.
Woran Sie unseriöse Angebote erkennen
Der Zweitmarkt ist unübersichtlich, und genau davon leben unseriöse Anbieter. Die folgenden Muster tauchen immer wieder auf. Ein einzelnes davon ist ein Anlass für Rückfragen, zwei davon sind ein Grund, den Kauf abzubrechen.
Ergänzend gilt ein einfacher Grundsatz: Zeitdruck ist ein Verkaufsinstrument. Wer Ihnen erklärt, das Angebot bestehe nur noch für wenige Minuten, will verhindern, dass Sie prüfen. Bei echten Rückläufern ist der Bestand tatsächlich knapp — dann liegt die Eile aber beim Kanal und nicht bei einer Person, die Sie zur Zahlung drängt.
Der rechtliche Rahmen in Deutschland
Ein Ticket ist rechtlich betrachtet der Nachweis eines Anspruchs auf Zutritt, nicht einfach eine Ware. Daraus ergeben sich einige Besonderheiten, die im Zweitmarkt regelmäßig übersehen werden.
Der private Weiterverkauf ist in Deutschland nicht generell verboten, und ein gesetzliches Preislimit für den Wiederverkauf existiert hier — anders als in einigen anderen europäischen Ländern — nicht. Veranstalter dürfen den Weiterverkauf jedoch über ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen einschränken, etwa indem sie gewerblichen Weiterverkauf untersagen, Höchstpreise festlegen oder die Übertragung an ihre Zustimmung binden. Gerichte haben solche Klauseln in mehreren Verfahren, insbesondere im Fußball, für wirksam gehalten. Der Veranstalter kann auf dieser Grundlage Tickets sperren und gestützt auf sein Hausrecht den Zutritt verweigern.
Praktisch heißt das: Die entscheidende Frage ist nicht, ob der Verkauf erlaubt war, sondern ob das Ticket am Einlass funktioniert. Bei personalisierten Tickets kann der Veranstalter einen Ausweisabgleich durchführen. Steht dort ein fremder Name und gibt es keinen offiziellen Umschreibungsweg, tragen Sie das Risiko — und Ihr Anspruch richtet sich dann gegen einen Verkäufer, den Sie im Zweifel nicht greifen können.
Beim Kauf im Fernabsatz besteht für Freizeitveranstaltungen zu einem bestimmten Termin kein Widerrufsrecht; das ergibt sich aus § 312g Absatz 2 Nummer 9 BGB und gilt auch für den offiziellen Verkauf. Fällt die Veranstaltung dagegen aus, entfällt die Leistungspflicht des Veranstalters, und der gezahlte Preis ist grundsätzlich zu erstatten — allerdings von der Stelle, bei der Sie gekauft haben. Bei einer bloßen Verlegung behalten Tickets nach den meisten Geschäftsbedingungen ihre Gültigkeit. Wer gewerblich verkauft, muss sich als Unternehmer zu erkennen geben, ein Impressum vorhalten und den Gesamtpreis einschließlich aller Gebühren ausweisen. Fehlen diese Angaben, ist das kein Detail, sondern ein Befund.
Checkliste vor dem Kauf
Sechs Fragen, die Sie vor jeder Zahlung beantwortet haben sollten. Am besten schriftlich, in derselben Konversation, in der Sie kaufen.
Wann sich ein Concierge lohnt
Für die meisten Veranstaltungen brauchen Sie niemanden. Wer früh sucht, den Vorverkauf kennt und regelmäßig auf die offizielle Börse schaut, kommt allein ans Ziel. Der Aufwand steigt aber dort, wo drei Dinge zusammentreffen: ein fester Termin, der sich nicht verschieben lässt, ein Markt ohne offenes Angebot, und die Notwendigkeit, die Seriosität einer Bezugsquelle innerhalb von Stunden zu beurteilen.
Genau dort setzt unsere Arbeit an. Wir prüfen, welche Kanäle für die konkrete Veranstaltung überhaupt offen sind, klären die Bedingungen der jeweiligen Quelle und übernehmen Verhandlung und Abwicklung. Was wir nicht tun, ist ein Ergebnis zu versprechen, bevor wir es geprüft haben. Bei Obtano steht die Machbarkeitsprüfung am Anfang, und sie ist kostenlos. Erst danach nennen wir einen verbindlichen Gesamtpreis, und erst nach Ihrer ausdrücklichen Zustimmung wird beschafft. Wenn sich eine Veranstaltung nicht seriös lösen lässt, sagen wir das — auch das ist ein Ergebnis.
Häufige Fragen
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Nennen Sie uns die Veranstaltung, das Datum, die Anzahl der Plätze und Ihre Grenze. Wir prüfen kostenlos, welche Wege offenstehen, und melden uns mit einer klaren Einschätzung zurück. Eine Verpflichtung entsteht Ihnen dadurch nicht.
